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Erziehen |
Alles bello mit dem besten FreundText: Verena Walther Schlagzeilen über Hundeattacken machen auch den Haltern zu schaffen. Sie können Feindseligkeiten entgegenwirken, indem sie ihre Vierbeiner richtig erziehen. |
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Ein unhaltbarer Zustand, nicht nur für Ruth Streit. Denn «jede und jeder darf von einem Hundehalter erwarten, dass dessen Vierbeiner ihn in keiner Weise bedrängt, und mag dies vom Hund noch so freundlich gemeint sein», sagt Sonja Doll Hadorn, Zoologin, Ethologin und Verhaltenstherapeutin (siehe «Tipps für Hundehalter - und Hundefeinde» am Ende des Artikels). Handkehrum: Hunde sind keine Maschinen. Sie müssen erst Gelegenheit erhalten, das gewünschte Verhalten zu erlernen. Bis ein Hund in jeder Situation gehorcht, bedarf es einer gewissen Reife und einer guten, vertrauensvollen Beziehung zur Halterin. «Das bedeutet ein bis vier Jahre intensiver und einfühlsamer Arbeit», sagt Hundetherapeutin Doll Hadorn. Aber selbst dann sind Hunde nicht immer hundertprozentig kontrollierbar: «Rücksichtnahme, Verständnis und Toleranz sind deshalb auch von der Gegenseite gefragt.» Ruth Streit musste sich nach drei Jahren eingestehen, dass sie die Erziehung ihres Hundes viel zu unseriös in Angriff genommen hatte. Trotz Hundeerziehungskurs. «Weder eine Laisser-faire-Einstellung noch Gewaltmethoden sind Grundlagen für eine Erziehung», ist Sonja Doll Hadorn überzeugt. Leidtragender solcher Fehler ist auch der Hund, indem er irgendwann immer an der Leine geführt werden oder sogar einen Maulkorb tragen muss.
Auch ältere Hunde sind lernfähig «Es braucht eine gute Beobachtungsgabe und die Bereitschaft, sich auf hundegerechte Weise - das heisst gewaltlos - durchzusetzen. Vor allem aber braucht es Selbstdisziplin und Konsequenz», betont die Verhaltenstherapeutin. Entscheidend bei der Hundeerziehung ist, ob der Vierbeiner seinen Menschen als kompetenten Beschützer anerkennt. «Und genau hier liegt bei vielen Besitzern das Problem, denn diesen Status erlangt man in der Regel nicht auf dem Übungsplatz der Hundeschule.» Es reicht nicht, dem Hund «Komm!», «Sitz!» und «Platz!» beizubringen, man muss auch wissen, in welcher Situation und zu welchem Zeitpunkt dies angezeigt ist. Hundebesitzer sollten die Bedürfnisse und Reaktionsweisen ihres Kumpanen kennen und verstehen. Was nicht ist, kann noch werden. «Auch ältere Hunde sind lernfähig. Sie tun sich darin sogar wesentlich leichter als wir Menschen», sagt Sonja Doll Hadorn. Um Fehlverhalten oder Verhaltensstörungen zu korrigieren, sei der Beizug einer kompetenten Fachperson jedoch ratsam. «Glücklich ist ein Hund, wenn er sich in kritischen Situationen an seinem Halter orientieren kann und sich sicher fühlt, weil ihm dieser freundliche und klare Anweisungen gibt», erklärt die Zoologin.
Das Zauberwort heisst Disziplin Bevor Ruth Streit ihrem Hund gegenüber der letzte Geduldsfaden riss, bevor sie vollends resignierte, entschied sie sich für einen Neuanfang. «Die Erziehung fing zuerst bei mir selber an», stellt sie rückblickend fest - und gibt der Verhaltenstherapeutin recht: «Disziplin ist das Zauberwort in der Hundeerziehung, denn ein Hund nützt jede noch so kleine Inkonsequenz des Halters aus.» Streit musste noch einmal ganz von vorne anfangen. Sich weiterbilden, Bücher lesen, Kurse besuchen, Fachleute beiziehen. Sie kniete sich richtig in die Materie hinein. Mit ihrem Hund Arno verbrachte sie Stunden des Übens. «Ansätze einer Besserung waren schnell sichtbar. Das Ganze zu festigen dauerte aber Monate», sagt sie. Arno war bereits fünf Jahre alt, als er seiner Zweibeinerin den Chefposten abtrat. «Es war eine Riesenarbeit», resümiert Ruth Streit, «aber schliesslich gehorchte er mir. Von da an gab es nur noch selten Stress.» Auch Arno selber profitierte von der Veränderung. Denn ein Hund, der gehorcht, geniesst wesentlich mehr Freilauf als seine unfolgsamen Artgenossen. Die grenzenlose Freiheit gibt es zwar nicht, aber eine Freiheit in Grenzen. Streits Bemühungen haben sich nicht nur für sie und Arno gelohnt - heute gibt die langjährige Hundehalterin ihr Wissen in Kursen an weniger Erfahrene weiter.
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